Chronik

Die Bereitschaft Solln des Bayerischen Roten Kreuzes möchte sich Ihnen vorstellen. Wir können auf ein 60jähriges Bestehen zurückblicken und wollen Ihnen einen kleinen Einblick in unsere Aufgaben und was wir bisher geleistet haben geben.

 

Die Anfänge in der Frauenbereitschaft

Um die Jahrhundertwende war Solln ein Dorf bei München. Die Landkrankenpflege war eine große Notwendigkeit. Am 12.4.1904 gab es eine Versammlung, die es sich zur Aufgabe machte, hier helfend und notlindernd einzuspringen. Aus uns zur Verfügung stehenden Unterlagen ersehen wir, daß am 4.04.1934 zum ersten Mal in Solln ein Erste-Hilfe-Kurs von Frau Seiling (Frau des Bürgermeisters Max Seiling) ausgeschrieben worden war, den Herr Dr. Nigler gehalten hat. Am 15.07.1936 wurden die Teilnehmerinnen als "Nothelferin" vereidigt. Dies ist für unsere Bereitschaft das Gründungsdatum. Schwester Gertrud Steinhäuser war die erste Bereitschaftsführerin und Freifrau Elisabeth von Hohenhausen ihre Stellvertreterin.

 

Der Krieg- eine Herausfoderung für die Frauenbereischaft

Als am 1.9.1939 der Krieg ausbrach waren die Aufgaben der Helferinnen: Truppenverpflegung im Hauptbahnhof (meist nachts), Hilfe nach Fliegerangriffen und Telefonwachen. Als die Heilanstalt Ranke (heute Krankenhaus Martha-Maria) zum Lazarett für hirngeschädigte Soldaten umgebaut wurde, taten die Helferinnen auch hier Dienst und in den vier öffentlichen Luftschutzräumen in Solln. Außer dem Sanitätsdienst war es aber auch Aufgabe der Helferinnen, Sammlungen durchzuführen und Lose zu verkaufen.

Von 1942 bis Juli 1976 leitete Freifrau Elisabeth von Hohenhausen die Frauenbereitschaft (Solln) Süd 3. Die regelmäßigen Treffen der aktiven Mitglieder (Bereitschaftsabende) fanden im Pfarrheim von St. Johann Baptist oder bei Frau von Hohenhausen zu Hause statt. Sie dienen bis heute der Auffrischung des Erlernten, der Fortbildung durch Übungen und Vorträgen und dem Austausch von Erfahrungen.

 

Neue Aufgaben für die Helferinnen - Beginn der Sanitätsdienste

Nach dem Kriege, ab 1945, änderten sich die Aufgaben. Entsprechend der damaligen Not wurde versucht, durch kulturelle Veranstaltungen Spenden einzuholen, um in Solln den Ärmsten helfen zu können, aber auch um für dieses Ehrenamt zu werben. In den folgenden Jahren erweiterte sich der Einsatz der Helferinnen. Sie wurden zu Wachdiensten bei kulturellen, sportlichen und öffentlichen Veranstaltungen eingeteilt (Oper, Theater, Konzerten, Fasching, Fronleichnam, Pferderennen, Fußball, Leichtathletik) - wie auch heute noch - sowie zu Großeinsätzen wie dem Eucharistischen Weltkongreß (1960) und den Olympischen Spielen (1972), um die herausragendsten zu nennen. Um darin Erfahrungen sammeln zu können, wurden und werden regelmäßig Alarmübungen im kleineren und großen Stil gehalten: 1964 in Aying zusammen mit der Bundeswehr, 1966 zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Solln und dem Werkschutz des Alkorwerkes, 1968 in Hochbrück, Mai 1980 gemeinsam mit der Kolonne Süd3 im Kreisverband München, Oktober 1980 mit der Feuerwehr Schäftlarn in Kloster Schäftlarn und 1994 und 95 im Forstenrieder Park mit den St.Georgs-Pfadfindern als Mimen (darunter auch eine Nachtübung) und zahlreiche kleinerer Übungen. Die Helferinnen wurden aber auch zur Betreuung bei Kindertransporten (Erholung) an die Nordsee, nach Frankreich usw. und bei Behindertenverschickung und -ausflügen eingesetzt.

Einer der wichtigsten Einsätze ist jedes Jahr der Wies'n-Einsatz. Hier haben alle Beteiligten die beste Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Jahrelang wurde unsere Bereitschaft auch zum Sanitätsdienst im Hauptbahnhof eingesetzt. Einmal im Monat mußten wir ein Wochenende dort Dienst tun. Unser Sanitätsraum befand sich neben der Inneren Mission, mit der wir eng zusammenarbeiteten. Aus Sicherheitsgründen wurde dieser Dienst in den 80er Jahren für Frauen eingestellt.

Nachdem sich Frau von Hohenhausen zur Ausbilderin für Erste-Hilfe-Kurse und häuslicher Krankenpflege schulen ließ, konnten diese Kurse auch in Solln immer wieder gehalten werden.

1960 wurde Herr Dr. Dr. Erich Grassl Bereitschaftsarzt (bis April 1986).

 

Die Schwerpunkte verlagern sich auf die Nachbarschaftshilfe 

Am 1.07.1961 wurde das 25jährige Bestehen der Frauenbereitschaft Süd 3 mit einem Gottesdienst in St. Johann Baptist und einer musikalischen Aufführung von Kindern im Sollner Turnsaal der Herterichschule gefeiert.

Am 16.12.1961 veranstaltete die Bereitschaft eine Weihnachtsbescherung auf der Kinderstation des Schwabinger Krankenhauses. Ebenso 1962 und 63 auf der Kinderstation der Orthopädischen Klinik.

1963 wurde Frau Elisabeth Böhm stellvertretende Bereitschaftsführerin und blieb es über 20 Jahre lang. Sie war auch in der Nachbarschaftshilfe sehr engagiert.

Am 19.05.1963 fand auf dem Königsplatz die 100 Jahrfeier des Roten Kreuzes statt. Aus diesem Anlaß inszenierte Frau von Hohenhausen am 26. Oktober ein Festspiel mit Szenen aus dem Leben Henry Dunants im Sollner Turnsaal an der Herterichstraße.

Am 23.02.1972 gründete Herr Dr. Dr. Grassl den Verein "Nachbarschaftshilfe Solln". Hier war Frau von Hohenhausen Ansprechpartnerin seitens des Roten Kreuzes.

Im Sommer 1975 wurde die Kolonne Süd 3 gegründet, Kolonnenführer wurde Herr Wolfgang Vetter. Die Mitglieder dieser Kolonne waren ausschließlich vom Wehrdienst freigestellte Männer. Die Hauptaufgabe der Kolonne lag im Rettungswesen in Zusammenarbeit mit der Rettungswache Grünwald. Die Sanitätswachen besetzten wir nun gemeinsam und mit den Jahren luden wir uns gegenseitig immer häufiger zu Arztvorträgen und geselligen Veranstaltungen und Ausflügen ein.

Am 23.10.1976 feierte die Frauenbereitschaft Süd 3 ihr 40jähriges Bestehen mit einem ökumenischen Gottesdienst in St. Johann Baptist und einer Feierstunde mit Stehempfang im kath. Pfarramt.

Am 7.06.1977 wurde Frau Gertraud Peplow zur Leiterin der Frauenbereitschaft Süd 3 bestellt. Sie blieb es bis April 1989.

1978 bemühten wir uns um einen geeigneten Raum in der Parkstadt Solln. Pfarrer Müller ermöglichte es, daß wir unsere Bereitschaftsabende in der evangelischen Gemeinde halten konnten. 9 Jahre lang waren wir hier zu Gast.

1979 besuchten wir zusammen mit der Kolonne einen Rettungsschwimmkurs bei der Wasserwacht Starnberg. 1980 besuchten wir zwei Wiederholungsabende.

Im April 1981 hielt Frau von Hohenhausen einen Kurs für häusliche Krankenpflege für die Mitglieder der Bereitschaft und der Kolonne Süd 3.

Im Oktober/November 1982 boten wir in der Parkstadt Solln einen Erste-Hilfe-Kurs an, der großen Zuspruch fand, so wie auch 1994 der Erste-Hilfe-Kurs für den TSV-Solln. Ein weiteres Kursangebot ist geplant.

Am 23.07.1984 feierten wir das 50jährige Dienstjubiläum von Frau von Hohenhausen, am 28.06.1986 das 50jährige Bestehen der Frauenbereitschaft in der Petruskirche mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Stehempfang im kleinen Rahmen.

Unter den Helferinnen entstand der Wunsch, mit der Kolonne Süd 3 enger zusammenarbeiten zu wollen, um auch an den Rettungsdiensten mit eingesetzt und um den steigenden Aus- und Fortbildungsanforderungen gerecht werden zu können. So hielten wir unsere Bereitschaftsabende ab September 1987 bei der Kolonne Süd 3, die in St. Phillipus im Westend einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen hatte.

Am 13.09.1986 feierten wir Frau von Hohenhausen's 80. Geburtstag im Pfarrsaal von St. Johann-Baptist. Hierzu luden wir alle ehemaligen Helferinnen ein, deren Adressen wir ausfindig machen konnten.

1989 stellte sich der Kolonnenführer Herr Vetter und die Bereitschaftsführerin Frau Peplow für eine weitere Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung. NachfolgerIn wurde Herr Martin Berner und Frau Gertraud Weindler.

Einer unserer größten Einsätze war 1989. Hier standen viele Helfer rund um die Uhr im Einsatz zur Betreuung der DDR-Flüchtlinge.

1991 wurde die 10jährige Verpflichtung der Freigestellten auf 8 Jahre heruntergesetzt. Das hatte zur Folge, daß etwa 50% der im Katastrophenschutz verpflichteten Sanitäter ihre Mitgliedschaft aufkündigten.

1993 stellte sich Herr Wolfgang Schmitz als Kolonnenführer zur Verfügung. Als Kolonnenarzt konnte Herr Schmitz Herrn Dr. Jakob Bernlochner gewinnen. Auf Grund des starken Mitgliederschwundes mußte der Einsatz im Rettungsdienst reduziert werden.

 

Die Frauenbereitschaft und die Kolonne Süd 3 schliessen sich zusammen

Nach 8jähriger "Verlobungszeit" entschied sich die Kolonne Süd 3 und die Frauenbereitschaft Süd 3 am 13.1.1994 zu "heiraten". Wir heißen nun Bereitschaft Solln. Verständlich, daß wir uns nun auch gerne wieder in Solln niederlassen wollten. Pfarrer Müller stellte uns auch diesmal wieder einen Raum für unsere Bereitschaftsabende zur Verfügung.

1995 und 96 legten wir auf Betreiben von Herrn Schmitz Schwerpunkt in die lokale Öffentlichkeitsarbeit durch konzentrierte Dienstleistung bei den verschiedensten Veranstaltungen der Sollner Vereine. Wir hielten auch mehrere Alarmübungen im Forstenrieder Park ab, bei denen sich die St. Georgs-Pfadfinder des Stammes St. Ansgar als Opfer zur Verfügung stellten.

Seit 1996 stellen wir zusammen mit den Bereitschaften Süd 1 und Süd 2 den Bereich Süd der Schnelleinsatzgruppe (SEG) München, die bisher acht mal ausrückte. Erster Einsatz war der Bombenalarm in Moosach mit ca. 10.000 Evakuierten, letztes Jahr rückten wir wegen des Brandes im Pflegeheim Martha Maria aus, der letzte Einsatz war anläßlich des Union Move in der Leopoldstraße.

Am 17.10.1996 feierten wir unser 60jähriges Bestehen mit einem ökumenischen Gottesdienst in St. Ansgar und einem anschließenden Stehempfang in der Petruskirche.

Am 23.1.1997 wurde Herr Björn Bores zum Bereitschaftsleiter gewählt und Frau Gertraud Peplow zu seiner Stellvertreterin.



Von der Sanitätsbereitschaft zur Kleiderkammer

Im Jahr 2012 änderte die Sanitätsbereitschaft Solln ihren Aufgabenbereich und verlegte ihren Schwerpunkt in den sozialen Bereich. Die Räume in der Drygalski Allee wurden mit Hilfe der ehrenamtlichen Mitabeiterinnen und Mitarbeiter renoviert und zur Kleiderkammer umgebaut. Hier können seitdem Bedürftige gegen entsprechenden Nachweis kostenlos Kleidung beziehen.

Im Sommer 2014 wird die Kleiderkammer Solln neue Räumlichkeiten beziehen. Nährere Infos hierzu folgen noch.


Wir wünschen uns, weiterhin unsere Aufgaben erfüllen und den Erwartungen der Hilfesuchenden gerecht werden zu können. Dazu suchen wir noch Frauen und Männer aller Altersstufen, die sich diesen Aufgaben stellen möchten.